Phonographische Arbeit 1877/2021

Materialität und musikalisches Material

Phonographische Arbeit 1877/2021. Materialität und musikalisches Material | Leuphana Universität Lüneburg | Studiengang: BA Kulturwissenschaften | Modul: Musik und auditive Kultur | SoSe22 | Montag, 12:15-13:45 | UC 5.326


Dozent:
Prof. Dr. Rolf Großmann
grossmann@leuphana.de

 

Dozent:
Dr. Malte Pelleter
pelleter@leuphana.de

Organisatorisches

Das Seminar beginnt am Montag, den 11. April 2022 um 12:15 Uhr mit einer Einführung zum Thema „Material“ und „Phonographische Arbeit“. Falls nicht anders angegeben finden alle Seminartermine in Präsenz statt.

Für die einzelnen Themen des Seminars werden in myStudy Gruppen für die jeweilige Sitzungsmoderation eingerichtet. Bitte tragen Sie sich auf jeden Fall rechtzeitig ein, spätestens bis zum Schluss der Eintragungsfrist am 20.04.2022, da die Mitarbeit in einer Gruppe Voraussetzung für den erfolgreichen Besuch der Veranstaltung ist.

Inhalt

Die „Musik stammt aus der Feder von…“ ist häufig im Feuilleton zu lesen. Diese Metapher für ein Gestalten von Musikstücken zeigt, wie stark auch im 21. Jahrhundert noch unsere Vorstellungen von der Schriftkultur vergangener Jahrhunderte geprägt sind. Musik wird heute jedoch kaum mehr ‚geschrieben‘, sondern zumeist an einer Digital Audio Workstation zusammengesetzt (‚komponiert‘). Diese Entwicklung ist keineswegs eine Neuerung digitaler Kultur, bereits mit der Erfindung des Grammophons durch Thomas A. Edison 1877 verändert sich die kulturelle Praxis musikalischer Produktion (und Rezeption). Phonographie wird zum zentralen Medium des Erinnerns und Gestaltens, die kompositorische Arbeit mit der Schriftlichkeit der Notation wird zur „Phonographischen Arbeit“. Das Seminar beschäftigt sich mit diesem Wandel unter dem Gesichtspunkt des Materials. Dazu zählen die materielle Beschaffenheit der Umgebungen auditiven Gestaltens ebenso wie die Diskurse um Material und Materialität, die sich ausgehend von Theodor W. Adornos Materialbegriff bis zum „Ontological Turn“ (Thompson) des „new materialism“ (Cox) bilden. Anhand von konkreten materiellen Verfahren und Musikbeispielen von der Grammophonwalze über die Vinyl-Schallplatte bis zur digitalen Studiosoftware wollen wir diese Diskurse erörtern.

Vorbereitung und Durchführung der Seminarsitzungen

Auch wenn sich manche Seminarsitzungen ’nur‘ Theorietexten widmen, sollten mindestens zwei Hörbeispiele vorbereitet werden, die im Seminar gemeinsam gehört werden.

Einführungstext

Bitte lesen Sie zum Einstieg den Text „Gespielte Medien und die Anfänge ‚phonographischer Arbeit‘„, den Sie hier oder aus dem Materialordner in myStudy herunterladen können.

Lexikonartikel
Großmann, Rolf: Phonographie
Großmann, Rolf: Digitale Musikproduktion

Prüfungsleistung

Prüfungselemente
Sitzungsmoderation (40%) + Schriftliche Ausarbeitung eines selbstgewählten Themas (60%)

Seminarplan

V 0.3 29.03.2022

11.04.2022 Einführung / Begriff „Phonographische Arbeit“ (RG)

Organisatorisches / inhaltliche Einführung
Zur Einführung lesen Sie bitte aus dem folgenden Text die ersten beiden Seiten sowie das Abschlusskapitel „Phonographische Arbeit“:
Großmann, Rolf: „Gespielte Medien und die Anfänge ‚phonographischerArbeit‘.“ In: Saxer, Marion (Hg.): Spiel (mit) der Maschine.Musikalische Medienpraxis in der Frühzeit von Phonographie,Selbstspielklavier, Film und Radio. Bielefeld 2016, S. 381-398. >>> auch im myStudy Materialordner

Hörbeispiele

25.04.2022 Material und Materialität
Materialität und Schriftlichkeit: Notation (RG)

s.a. Film »Der letzte Notenstecher«, BR 2007
Christian Marclay, Musique Concrète, Dub

Kunsthandwerk Notenstich

weitere Beispiele:

https://www.youtube.com/watch?v=cxj1fSaaokI
Beethoven Klaviersonate „Pathétique“ Nr.8 in Cmoll, Op.13 – Igor Levit
Whisper Not – Art Farmer, Jim Hall Big Blues
Whisper Not – Art Farmer

02.05.2022 Hardware und der Materialismus technischer Dinge (MP)

Friedrich Kittler: Hardware, das unbekannte Wesen. In: Krämer, Sibylle (Hg.): Medien – Computer – Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien. Frankfurt a.M.: 1998, S. 119-132.

09.05.2022 Materialität analoger Phonographie / Kulturelles Gedächtnis

Aleida Assmann: Zur Mediengeschichte des kulturellen Gedächtnisses. In: Astrid Erll and Ansgar Nünning (Hg.): Medien des kollektiven Gedächtnisses: Konstruktivität – Historizität – Kulturspezifität. Berlin: 2008, S. 45-60.

16.05.2022 Theodor W. Adorno: Die Historizität des Materials (RG / MP)
Form, Inhalt, Material

Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie. In: Digitale Bibliothek Band 97, Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften 7. Frankfurt am Main: 1970, hier bitte lesen S. 211-224.

Gunnar Hindrichs: Der Fortschritt des Materials. In: Richard Klein, Johann Kreuzer, Stefan Müller-Doohm (Hrsg.): Adorno-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart 2011, S. 47–58.

optional: Adorno, Philosophie der neuen Musik, Frankfurt a.M.: 1958, S. 33-45

L. v. Beethoven Sonate op. 111 Nr. 32
Arnold Schönberg: Drei Klavierstücke, Op. 11, 1

23.05.2022 Kodwo Eshun und Sonic Fiction als materialistische Sound-Theorie (MP)

Kodwo Eshun: »Den Breakbeat virtualisieren«. In: Ders.: Heller als die Sonne. Abenteuer in der Sonic Fiction. Berlin, 1998.

Ergänzend dazu: Holger Schulze: »Sensory Epistemologies«. In: Ders.: Sonic Fiction. New York, 2020.


30.05.2022 Materialität digitaler Phonographie

Beispiele zum Aliasing als Dimension medienästhetischen Materials: Listening Session 24 und 25 aus Malte Pelleter: Futurhythmaschinen. Drum-Machines und die Zukünfte auditiver Kulturen. Hildesheim: 2020.

06.06.2022 Pfingstmontag –

13.06.2022 Thor Magnusson: Sonic Writing

Magnusson, Thor (2019): Sonic Writing. Technologies of Material, Symbolic & Signal Inscriptions, New York. (Introduction)

20.06.2022 Kritiken des Sonic Materialism (MP)

Marie Thompson: »Whiteness and the Ontological Turn«. In: Parallax, 23 (3). 2017. S. 266-282.

Brian Kane: »Sound studies without auditory culture: a critique of the ontological turn«. In: Sound Studies, 1:1. 2015. S. 2-21.

27.06.2022 Adorno und Historischer Materialismus II (RG /MP)

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