CfP: The Sound of Sound Studies. Was bewegt Klangforschung und Soundkultur?

Vom 4. bis zum 6. März 2021 veranstaltet der Schwerpunktbereich ((audio)) die Jahrestagung der AG Auditive Kultur und Sound Studies in der Gesellschaft für Medienwissenschaft.

Ein eigener Sound war immer schon ›genre-defining‹. Ein simples Plattencover taufte etwa Techno 1988 zum ›New Dance Sound of Detroit‹ – und verpasste diesem Sound gleich ein eigenes Logo. Und auch akademische Genre- bzw. Disziplinenbildung funktioniert durchaus ähnlich: Einige entsprechend überschriebene Aufsätze (bspw. Pinch/Bijsterveld 2004; Hilmes 2005), eine schmale Reihe an kanonisierenden Sammelbänden (bspw. Bull/Back 2003; Cox/Warner 2004) – und schon waren die Sound Studies in der Welt.

Angetreten war diese Proto-Disziplin, um die Ebene des ›Sound‹ als einen legitimen Gegenstand in den forscherischen Fokus zu rücken. Diese war – so die Diagnose – in Musik- und Kulturwissenschaften, aber auch in Technik- oder Gesellschaftswissenschaften noch zu oft schlicht überhört worden. Was dabei ›Sound‹ genau hieße – ob auditive Erfahrung oder physikalisches Wellenphänomen – ist aber keinesfalls ausgemacht. Zumal der gewollt vage bleibende Anglizismus im deutschsprachigen Diskurs eine ganze Palette möglicher Parallelbildungen vom Auditiven bis zum Sonischen mit sich bringt. In The Audible Past (Sterne 2003) meint ›Sound‹ etwas anderes als in Sonic Skills (Bijsterveld 2019); in The Sound of Culture (Chude-Sokei 2016) etwas anderes als in Transcultural Sound Practices (Maier 2020). Und was überhaupt wären Sonic Fictions (Eshun 1998, Schulze 2020)?

Wenn die AG-Tagung 2021 also nach dem spezifischen Sound der Sound Studies fragt, dann möchten wir damit den Diskussionen um die verschiedenen Selbstverständnisse und Gegenstände, um die Vielfalt an Methoden und Forschungsansätzen einen Raum geben, die aktuell unter dieser ›genre-defining‹ Überschrift akademisch zusammen gehalten werden. Im Sound-Begriff kommt deren breite Öffnung für neue Gegenstände und auch spezifisch ›klanglich‹ arbeitende Methoden voll zum Tragen.

Vor diesem Hintergrund möchten wir auch darüber sprechen, welchen Klang der Name Sound Studies im Ensemble der akademischen Diskurse aktuell hat. Wie also klingen diese ‘Studies’ heute: Wie hat ihr Projekt das wissenschaftliche Sprechen über Sound (und darüber hinaus) verändert? Welche methodologischen Neuausrichtungen schwingen in ihrem Sound mit? Wie sehen mögliche Zukünfte der Wissenschaften von der Musik und vom Klang aus? 

Wir freuen uns über Themenvorschläge aus der ganzen Breite von Sound Studies, Musik-, Medien- und Kulturwissenschaften, Wissenschafts- und Technikforschung, usw.. 

Im Sinne des Tagungsthemas erwarten wir, dass alle Beiträge auch konkret an Soundbeispielen und Klangphänomenen argumentieren. Beiträge, die nicht ausdrücklich auch Klangmaterial beinhalten, können wir leider nicht berücksichtigen.

Student Panel

Die AG-Tagung fragt nach dem Begriff des Sounds in den Sound Studies, nach Methoden und Ansätzen des Forschens und Nachdenkens über Sound. Eine ganzheitliche Erfassung des Forschungsstandes der Sound Studies sowie ein Blick in deren Zukünfte ist in Abwesenheit studentischer Stimmen nicht denkbar. Deshalb wird es im Rahmen der Tagung (wieder) ein Student Panel geben, welches jedoch weniger eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme, sondern vielmehr ein Raum für soundspezifische Ansätze sein will, die nicht nur über Sound, sondern vor allem auch mit, durch und an Sound forschen. 

Das Format sowie der Inhalt der Präsentation sind den Vortragenden freigestellt. Auch unabgeschlossene Projekte und (Sound-)Experimente sind willkommen. Mögliche Themenbereiche bewegen sich zum Beispiel um Diskurse wie Materialität, Instrumentalität, Genrebegrifflichkeiten, entortete Klangräume, Praktiken der Sound- und/oder Musikproduktion usw.

Literatur

  • Bijsterveld, Karin (2019): Sonic Skills. Listening for Knowledge in Science, Medicine and Engineering (1920s–Present). London: Palgrave Macmillan.
  • Bull, Michael; Back, Les (Hg.) (2003): The Auditory Culture Reader. Oxford: Berg.
  • Chude-Sokei, Louis (2016): The Sound of Culture. Diaspora and Black Technopoetics. Middletown: Wesleyan University Press.
  • Cox, Christoph/Warner, Daniel (Hg.) (2004): Audio Culture. Readings in Modern Music. New York: Continuum.
  • Eshun, Kodwo (1998): More Brilliant than the Sun. Adventures in Sonic Fiction. London: Quartet Books.
  • Hilmes, Michele (2005): »Is There a Field Called Sound Culture Studies? And Does It Matter?« In: American Quarterly, 57 (1). S. 249-259.
  • Maier, Carla (2020): Transcultural Sound Practices. British Asian Dance Music as Cultural Transformation. New York: Bloomsbury.
  • Pinch, Trevor/Bijsterveld, Karin (2004): »Sound Studies : New Technologies and Music«. In: Social Studies of Science, 34 (5). S. 635-648.
  • Schulze, Holger (2020): Sonic Fiction. New York: Bloomsbury.
  • Sterne, Jonathan (2003): The audible past: Cultural origins of sound reproduction. Durham, NC: Duke Univ. Press.

Format der Beiträge

Entsprechend der thematischen Offenheit des Calls möchten wir ausdrücklich dazu aufrufen, auch andere Formate als den klassischen Tagungsvortrag vorzuschlagen. Wir freuen uns über Audio-Papers und Soundlectures ebenso wie über workshop-orientierte, experimentelle Formate. 

Einreichung

Wir bitten um Einreichung von Abstracts (max. 1 ½ Seiten, inkl. kurzer Angabe zur Person und der vorgesehenen Audiobeispiele) sowohl für das Student Panel als auch für das generelle Programm an soundofsoundstudies@llaudioll.de. Die Abstracts sollten auch das Format des geplanten Beitrags (s.o.) benennen. Einreichungsfrist ist der 15.11.2020. 

Organisation

Wir planen und wünschen uns die Tagung zum derzeitigen Zeitpunkt als eine Präsenz-Veranstaltung – in der Hoffnung, dass eine solche im ungefähren Rahmen unserer bisherigen AG-Tagungen im kommenden Jahr möglich sein wird. Angesichts der kaum absehbaren weiteren Entwicklungen der Corona-Pandemie werden wir aber ein Online-Format mitdenken. In jedem Fall möchten wir auch allen Interessierten, für die eine Teilnahme in Präsenz nicht möglich sein wird, andere Optionen anbieten.

Reisekosten
Für beitragende Studierende und solche Beitragenden ohne institutionelle Anbindung ist eine Reisekostenpauschale vorgesehen.

Konferenzsprache
Die generelle Konferenzsprache ist deutsch. Wir freuen uns aber über englischsprachige Einreichungen und möchten eine aktive Teilnahme auch für nicht-deutschsprachige Teilnehmer*innen ermöglichen.

Schwerpunktbereich ((audio)) Ästhetische Strategien,
Leuphana Universität Lüneburg

Rolf Großmann
Malte Pelleter

Student Panel
Lukas Iden
Magdalena Lanman Niese
Lucas Schröder
Sophia Tobis

AG Auditive Kultur und Sound Studies
in der Gesellschaft für Medienwissenschaft

Ania Mauruschat
Anna Schürmer

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