Fritjof Mangerich, 2020 (Ausschnitt „Arseny Avraamov – Symphony of Factory Sirens“, 1922)
*Copy Right (Grafik): Fritjof Mangerich, 2020
Eine Aufführung in der Königlichen Akademie von Spanien in Rom (2018)

von Abel Paúl

//Freier Künstler

Tierra y Centro de la Tierra – Abel Paúl

Die Poetik des Raumes

In den letzten Jahren habe ich mich für die Schaffung von Kreuzungen von Instrumenten und für die Erforschung einer Poetik der Hybridisierung interessiert. In diesem Sinne habe ich verschiedene Techniken entwickelt, um die Interaktion zwischen Lautsprechern, Oberflächenwandlern und akustischen Instrumenten zu untersuchen. Darüber hinaus interessiere ich mich für die Erforschung architektonischer Räume als komplexe Resonatoren, die mit anderen Klangquellen interagieren oder schließlich selbst zu akustischen Instrumenten werden können.

Mein Werk Tierra y Centro de la Tierra (2018) ist ein klares Beispiel für die Koexistenz und Interaktion dieser kompositorischen Themen. Diese Komposition für Klarinette, Violine, Viola, Violoncello, MIDI-Controller, Transducer-Lautsprecher und Resonanzraum entstand während meines Aufenthalts als Stipendiat an der Königlichen Akademie von Spanien in Rom. Dieses antike Gebäude ist aus architektonischer Sicht sehr interessant. Es befindet sich auf dem Gianicolo-Hügel und umfasst mehrere Gärten, historische Säle und zwei Kreuzgänge aus der Renaissance. Im ersten Kreuzgang befindet sich das berühmte Tempietto von Bramante. Der zweite Kreuzgang hingegen weist eine Reihe von Arkaden und Fresken aus der Renaissance auf.

Die Besonderheit dieses zweiten Kreuzgangs besteht darin, dass er über einem antiken römischen Wasserdepot errichtet wurde. Dieser massive halbkugelförmige Raum ist durch eine kleine Luke mit der Oberfläche des Kreuzgangs verbunden. In Tierra y Centro de la Tierra habe ich beschlossen, diese Wasserlagerstätte als großen Resonanzraum zu nutzen, in dem eine Reihe von Lautsprechern aufgestellt wurden. Der im Wasserdepot erzeugte Klang tritt aus der Luke aus und interagiert mit den am Boden spielenden Musikern (die um die Luke herum verteilt sind). Das klangliche Zusammenspiel zwischen dem Boden und der unterirdischen Ebene des Klosters erzeugt eine Reihe von Echos und Dialogen, die den Hörprozess nach und nach strukturieren.

An dem hochschulübergreifende Klangforschungsprojekt Sound in Transition unter der Leitung von Benjamin F. Stumpf haben die folgenden Institutionen mitgewirkt:

  • Künstlerhaus Lauenburg / Stadt Galerie
  • Leuphana Universität, Lüneburg
  • Muthesius Kunsthochschule, Kiel
  • ((audio)) Ästhetische Strategien
  • Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Schleswig Holstein

*Copy Right (Grafik): Fritjof Mangerich, 2020 (Ausschnitt „Arseny Avraamov – Symphony of Factory Sirens“, 1922)