Musikalische Interpretation in den technischen Medien

Seminar | Leuphana Universität Lüneburg | Studiengang: Major Kulturwissenschaften | Modul: Musikästhetik | Mittwoch, 10:15-11:45 | online

Zur Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert entstehen zwei Technologien der Aufzeichnung, die – anders als die traditionelle Notenschrift – Klänge direkt über technische Mechanismen erzeugen: Melographie und Phonographie. Beide Verfahren haben massive Auswirkungen auf die musikalische Interpretation, ihre technischen und nach ihrer weiteren Etablierung auch kulturellen Konfigurationen werden zu Rahmungen musikalischer Produktion und Rezeption und damit zu Maßgaben interpretatorischen Handelns.
Die Veranstaltung führt in die Grundproblematik der musikalischen Interpretation ein und wird im weiteren Verlauf die Einflüsse der technischen Medien auf Interpretation ausleuchten. Mit MIDI und Digital Audio stehen schließlich die aktuellen Formen dieser musikbezogenen technischen Schriften im Fokus.

Ziel ist die Entwicklung einer Perspektive auf interpretatorische Prozesse in der Musik, die ihre Medialität berücksichtigt. Überblick und vertiefte Betrachtung zu medientechnischen und -ästhetischen Verfahren, Strategien und Optionen und ihren Auswirkungen auf interpretatorische Praxis.

Bitte lesen Sie zur Einführung:
Wicke, Peter: „Zwischen Aufführungspraxis und Aufnahmepraxis. Musikproduktion als Interpretation.“

Dozierende

Rolf Großmann
grossmann@leuphana.de

Martin Warnke
warnke@leuphana.de

Tutorin

Magdalena Lanman Niese
Magdalena.Niese@stud.leuphana.de

Prüfungsleistung:

(Gruppen-)Präsentation 60%, schriftliche Ausarbeitung 40%

Informationen zur Präsentation
Sie finden in Kürze in myStudy angelegte Gruppen zu den einzelnen Sitzungsthemen, in die Sie sich eintragen können. die Themen können Sie frei wählen, allerdings ist es erforderlich, dass die Gruppengrößen ungefähr gleich verteilt sind. Sie sollten sich bis zum 14.4.2021 eintragen, so dass wir in der ersten Sitzung noch Wechsel vornehmen können. Eine Teilnahme an der Veranstaltung ist nur möglich, wenn Sie sich rechtzeitig eintragen.

Informationen zur schriftlichen Leistung:
Statt einer einzelnen Ausarbeitung werden hier zu einer freien Auswahl von mindestens 7 Sitzungen einzelne Vorschlagsblätter mit Angaben oder Links zu mindestens 2 Audiobeispielen und einer Kurzbegründung in Stichworten gefordert (wer das Seminar Schöne Musik im letzten Semester besucht hat, kennt diese Art der Prüfungsleistung bereits). Details dazu werden wir in der ersten Sitzung besprechen. Bitte senden Sie die Blätter als PDF jeweils bis Montagabend vor der kommenden Sitzung an die beiden Dozenten und die Tutorin. Der Dateiname sollte diesem Muster folgen:
IhrNachname _ laufendeNummerIhresBeispielblatts_KurztitelderSitzung.pdf (ein Beispiel wäre Schulz _5_CraftMode.pdf).

Prüfungstermin: Donnerstag, 15.07.2021
Bis zu diesem Termin sollten Sie Ihre Präsentation und Ihre Vorschlagsblätter komplett per Mail an die Tutorin gesendet haben. Da die Prüfungsleistungen alle während der Veranstaltung stattfinden, haben Sie mehr Zeit für die Klausurphase und für Hausarbeiten, außerdem gibt es keinen zweiten Prüfungstermin.

Anmeldung und weitere Informationen auf mystudy.

Seminarplan

Entwurf V0.2/05.04.2021

14.04.2021: Einführung. Was heißt musikalische Interpretation?

Hinrichsen, Hans-Joachim: „Musikalische Interpretation und Interpretationsgeschichte“. In: M. Calella und N. Urbanek (Hrsg.), Historische Musikwissenschaft. Springer 2013, S.184-200.

Wicke, Peter: „Zwischen Aufführungspraxis und Aufnahmepraxis. Musikproduktion als Interpretation.“ In: Bork, Camilla et al. (Hg.): Ereignis und Exegese. Musikalische Interpretation – Interpretation der Musik. (Festschrift für Hermann Danuser) Schliengen: Edition Argus 2011, S. 42-53.

21.04.2021: Einführung II. Interpretation und technische Reproduktion

Wicke (s.o.)

Großmann, Rolf: „Gespielte Medien und die Anfänge ‚phonographischer Arbeit‚.“ In: Saxer, Marion (Hg.): Spiel (mit) der Maschine. Musikalische Medienpraxis in der Frühzeit von Phonographie, Selbstspielklavier, Film und Radio. Bielefeld 2016, S. 381-398.

28.04.2021: Melographie, Kunstspielklaviere

Wolf, Rebecca: „Spielen und bedienen. Das selbstspielende Klavier als virtuose Maschine.“ In: Ma-rion Saxer (Hg.): Spiel (mit) der Maschine. Musikalische Medienpraxis in der Frühzeit von Phono-graphie, Selbstspielklavier, Film und Radio. Bielefeld 2016, S. 137-156.

Kai Köpp: Interpretationsanalyse an Welte-»Künstlerrollen«. Ein quellenkritischer Versuch am Bei-spiel von Debussys Einspielungen, in: Claude Debussys Aufnahmen eigener Klavierwerke, hg. von Tihomir Popovic und Olivier Senn, Stuttgart 2019

Andreas Ballstaedt: »Das Selbstspielklavier als Schnittpunkt von Mensch, Musik und Maschine«, in: Boje E. H. Schmuhl/Ute Omonsky (Hg.), Maschinen und Mechanismen in der Musik, Augsburg 2006, S. 95–108.

05.05.2021: frühe Phonographie

Research Centre for the History and Analysis of Recorded Music (CHARM):

Daniel Leech-Wilkinson: The Changing Sound of Music: Approaches to Studying Recorded Musical Performances. Chapter 3. London: CHARM, 2009.

Roger Beardsley and Daniel Leech-Wilkinson: A Brief History of Recording to ca. 1950. London: CHARM, 2009.

12.05.2021: Konkurrenzen in der mechanischen Phase der Aufzeichnung (MW)

Thompson, Emily: Machines, Music, and the Quest for Fidelity: Marketing the Edison Phonograph in America, 1877-1925. In: The Musical Quarterly, Vol. 79, No. 1 (Spring, 1995), pp. 131-171.

19.05.2021: 6 ‚Ernste‘ Experimente mit Nadelton und Reproduktionsklavier (Hindemith, Toch, Nancarrow) (MW)

Elste, Martin: Hindemiths Versuche »grammophonplatteneigener Stücke«

26.05.2021: Craft Mode vs. Art Mode

Kealy, Edward R. 1979. From craft to art: The case of sound mixers and popular music. Work and occupations 6, 3-29.

02.06.2021: Glenn Gould I (MW)

Gould, G. (1988) The Prospects of Recording. In The Glenn Gould Reader, (Ed, Page, T.) faber and faber, London, pp. 331-353.
Gould, G. (1988) Music and Technology. In The Glenn Gould Reader, (Ed, Page, T.) faber and faber, London, pp. 353-357.
Glenn Gould: Bach: Goldberg-Variationen. 1955 Performance
Glenn Gould: Bach: Goldberg-Variationen. 2007 Zenph Re-Performance

09.06.2021: Glenn Gould II (MW)

Gould, G. (1988) The Record of the Decade. In The Glenn Gould Reader, (Ed, Page, T.) faber and faber, London, pp. 429-434.
dazu: Switched-On-Bach
Gould, G. (1988) The Grass Is Always Greener in the Outtakes: An Experiment in Listening. In The Glenn Gould Reader, (Ed, Page, T.) faber and faber, London, pp. 357-373.

Cott, J. & Gould, G. (1987) Telefongespräche mit Glenn Gould. Alexander Verlag, Berlin. S. 89 ff.
dazu
Glenn Gould: Alexander Skrjabin, Piano Sonata No. 5 in F-Sharp Major, Op 53
Wendy Carlos: Switched On Bach, 1968.

16.06.2021: DJ-Culture I / Turntables, 4-track

Bass Culture

23.06.2021: DJ-Culture II / Sampling

30.06.2021: Remix

Tingen

Großmann

07.07.2021 (MW/RG): Zusammenfassung/Abschlussdiskussion

Großmann

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