Instrumentalities. Instrumente neu denken!

Gemeinsames Seminar der Leuphana Universität Lüneburg (Prof. Dr. Rolf Großmann / Sarah-Indriyati Hardjowirogo) und der Hochschule der Künste Bern (Prof. Dr. Michael Harenberg / Angela Bürger)

Instrumentalities | Leuphana Universität Lüneburg | Studiengang: BA Kulturwissenschaften | Modul: Musik und auditive Kultur | Montag, 16:15-18:00 | Wöchentlich | Kombination aus Präsenz-, Online- und / oder Hybridveranstaltung | Rolf Großmann | Sarah-Indriyati Hardjowirogo

Die Veranstaltung wird als virtuelles Seminar über eine Videokonferenzing-Plattform („Digital Classrooms“) stattfinden und durch lokale Sitzungen an den beiden Hochschulen ergänzt. Die Classrooms werden in den gemeinsamen Semesterzeiten von Lüneburg und Bern stattfinden.
Die erste Sitzung findet ONLINE statt: Wir starten mit einer Einführungssitzung als Zoom-Meeting am 19. Oktober um 16:15 Uhr. Da dort thematische Projekte und weitere Planungen mit beiden Hochschulen besprochen werden, ist die Teilnahme an dieser Sitzung verpflichtend.

Dozent
Rolf Großmann
grossmann@leuphana.de

Dozentin
Sarah-Indriyati Hardjowirogo
hardjowirogo@leuphana.de

Tutor
Leopold Bierling
leopold.bierling@stud.leuphana.de

Dass eine Geige oder eine Flöte ein Musikinstrument ist, scheint unzweifelhaft. Wir nutzen diese Gegenstände seit Generationen, um Klänge zu produzieren. Was ist jedoch mit Gegenständen, Umgebungen und Prozessen, die nicht primär musikalisch motiviert waren und heute ganz selbstverständlich zum Musizieren und zur auditiven Gestaltung genutzt werden? Plattenspieler, Laptops, DAWs, Max Patches, Sensorik und vieles andere werden zu instrumental-medialen Umgebungen, die in Konzerten, Installationen und Sound Art an der Funktion der vormaligen Instrumente teilhaben. Spätestens seit Pierre Schaeffers Tonbandinstrumenten der 1950er Jahre, dem „Phonogene“ und dem Morphophone“, die aktuell in der Szene der Modularsynthesizer ihr Comeback erleben, stellt sich die Frage nach dem Instrumentcharakter, der „Instrumentalität“, technischer Medien.

Ziel ist es, Kriterien eines zeitgemässen Musikinstrumentenbegriffs zu erarbeiten. Unsere heutigen digitalen Instrumente unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den historischen. Die um 1900 vorgeschlagene Definition von Hornbostel/Sachs der „Elektrophone“ hilft da kaum weiter, so dass wir grundsätzlich nach kulturellen Funktionsweise eines Musikinstruments und neuen Definitionskriterien fragen wollen. Mit dem Band “Musical Instruments in the 21st Century” (s. Literatur auf der Webseite) ist 2016 ein wegweisender Sammelband zu diesem Thema erschienen, der eine Textgrundlage zum Seminar bilden wird. Als Seminarleiterin wird u.a. die Mitherausgeberin dieses Bands, Sarah Hardjowirogo dabeisein.

Semesterbeginn Bern: 14. September 20
Semesterende: 25. Januar 2021

Veranstaltungsbeginn Leuphana: 19. Oktober 2020
Veranstaltungsende: 25. Februar 2021

Hinweis: Die Kommentare auf dieser Webseite werden bis zum nächsten Semester gelöscht. Für Diskussion und generellen Austausch soll das Etherpad genutzt werden, zu dem alle Teilnehmenden einen Link bekommen.

Fragenkatalog zur Diskussion der Beispiele (als Anregung):

  1. Wie verhält sich das Instrument zu der im Text dargelegten Position? 
  2. Inwiefern fordert das Instrument den Begriff des Musikinstruments heraus? Welche Merkmale / Eigenschaften / Fähigkeiten / Funktionen sind im Vergleich zu konventionellen Musikinstrumenten eher ungewöhnlich? 
  3. Woher kommt das Instrument, wer hat es entwickelt / gebaut? In welchem Kontext? 
  4. Wie funktioniert das Instrument technisch? 
  5. Welche Art von Klängen lässt sich wie mit dem Instrument erzeugen? Wie können sie gestaltet werden? 
  6. Wie wird es gespielt? Gibt es tradierte Spieltechniken? 
  7. Gibt es auch nicht-instrumentale Nutzungsweisen des Instruments? Wenn ja, in welchem Verhältnis stehen sie zu seiner Nutzung als Musikinstrument? 
  8. Gibt es instrumentenspezifische Vermittlungsangebote? Gibt es Literatur über und/oder für das Instrument?
  9. Wer spielt seit wann wo welche Musik damit? Gibt es Veröffentlichungen, auf denen das Instrument zu hören / zu sehen ist? 
  10. Gibt es einen (öffentlichen/fachlichen) Diskurs um das Instrument? Welche Aspekte werden dabei in den Blick genommen?
Seminarphasen

1. Phase: Praxiserfahrungen Instrumentalität

2. Phase: Reflexion / Theorie

3: Phase: neue Modelle / Begrifflichkeiten / Konsequenzen

Gemeinsame Seminartermine mit der Hochschule der Künste Bern:

19.10.2020          16:15-18:00 Uhr

23.11.2020          16:00-19:00 Uhr

07.12.2020          16:00-19:00 Uhr

11.01.2021          16:00-19:00 Uhr

Prüfungsleistung

Gruppenpräsentation (70%)
2 Essays á 2 Seiten (30%)

Literatur

Baalman, M.A.J. (2017): “Interplay between Composition, Instrument Design and Performance.” In: Bovermann, Till, Alberto de Campo, Hauke Egermann, Sarah-Indriyati Hardjowirogo & Stefan Weinzierl (eds.): Musical Instruments in the 21st Century. Identities, Configurations, Practices. Singapore: Springer Nature. S. 225-242. 

Collins, Nicolas (1993): „Exploded View: The Musical Instrument at Twilight
Vortrag beim Symposium ‚Hyperkult 3‘, Universität Lüneburg, Sommer 1993
Published in Catalog for STEIM festival, October 1993.
Webdokumentation zur ‚HyperKult III‘, 14.-16. Juli 1993, Universität Lüneburg (Ja, wir sind stolz auf diese multimediale Arbeit aus den Anfangstagen des Web!)

Enders, Bernd (1987): “Instrumentenkunde – Form, Funktion und Definition des Musikinstruments im Spannungsfeld von Musik und Technik.” In: Edler, Arnfried, Siegmund Helms & Helmuth Hopf (Hrsg.): Musikpädagogik und Musikwissenschaft. Wilhelmshaven: Noetzel. S. 306-345.

Hardjowirogo, Sarah-Indriyati: “Instrumentality. On the Construction of Instrumental Identity.” In: Musical Instruments in the 21st Century. Identities, Configurations, Practices edited by Till Bovermann et al., Singapore: Springer Nature 2016, S. 9-24.

Harenberg, Michael, Virtuelle Instrumente zwischen Simulation und (De-)Konstruktion. In: Marcus S. Kleiner, Achim Szepanski (Hrsg.): Soundcultures. Über elektronische und digitale Musik. Frankfurt am Main 2003.

Harenberg, Michael, Die musikalisch-ästhetische Verortung klingender Räume. Virtuelle Räume als musikalische Instrumente. In: Martin Warnke, Wolfgang Coy, Georg Christoph Tholen (Hrsg.): HyperKult II Zur Ortsbestimmung analoger und digitaler Medien. transcript Verlag, Bielefeld 2005.

Harenberg, Michael, Meta-Instrumente – die reale Virtualität musikalischer Interfaces, in: Die Tonkunst. Magazin für Klassische Musik und Musikwissenschaft, Jg. 9, Nr. 3 (Juli 2015), topic: Instrumentarium in der Neuen Musik, S. 317–326.

Harenberg, Michael (Hg.): Klang ohne Körper. Spuren und Potenziale des Körpers in der elektronischen Musik“, Bielefeld: transcript Verlag 2010.

Hildebrand Marques Lopes, Dominik, Hannes Hoelzl & Alberto de Campo (2017): “Three Flavors of Post-Instrumentalities: The Musical Practices of, and a Many-Festo by Trio Brachiale.” In: Bovermann, Till, Alberto de Campo, Hauke Egermann, Sarah-Indriyati Hardjowirogo & Stefan Weinzierl (eds.): Musical Instruments in the 21st Century. Identities, Configurations, Practices. Singapore: Springer Nature. S. 335-362.

Großmann, Rolf (2010): “Distanzierte Verhältnisse? Zur Musikinstrumentalisierung der Reproduktionsmedien.” In: Harenberg, Michael & Daniel Weissberg (Hg.): Klang (ohne) Körper. Spuren und Potenziale des Körpers in der elektronischen Musik. Bielefeld: transcript. S. 183-200. 

Großmann, Rolf: “The Instrument.” In: Holger Schulze (Ed.): The Bloomsbury Handbook of Sound Anthropology, New York 2020, (erscheint im Winter 2020), Preview

Großmann, Rolf: „The Instrument as Medium. Phonographic Work.“ In: Groth, Sanne Krogh, Holger Schulze (Eds.): The Bloomsbury Handbook of Sound Art. New York 2020, S. 436-445.

Kvifte, Tellef (2008): “What is a Musical Instrument?Svensk tidskrift för musikforskning 90 (1), S. 45-56. 

Magnusson, Thor (2009): “Of Epistemic Tools: Musical Instruments as Cognitive Extensions.” Organised Sound 14 (2), S. 168-176. 

Ergänzende Informationen für Studierende der Leuphana Universität

zur Durchführung der Präsenzanteile der Veranstaltung:

In der Einführungssitzung (ONLINE) wird u.a. festgelegt, welche Sitzungen als Präsenzsitzungen an der Leuphana stattfinden und das Rotationsprinzip für die Teilnahme abgestimmt. Dabei wird auf jeden Fall beachtet, dass Studierenden, die zur Risikogruppe gehören und/oder mit Personen einer Risikogruppe zusammenleben, nicht an Präsenzsitzungen teilnehmen müssen. Alle Sitzungen mit Präsenzmöglichkeit werden als Hybridveranstaltung durchgeführt, d.h. es wird immer auch die Möglichkeit geben, online teilzunehmen.

Folgendes Verfahren ist vorgesehen: Diejenigen, die in Präsenz teilnehmen möchten, tragen sich im myStudy Forum der Veranstaltung in die Liste für die jeweilige Sitzung ein. Sollten sich mehr Personen eintragen als die Raumkapazität umfasst, wird ausgelost. Dabei werden in den Folgesitzungen diejenigen bevorzugt, die bisher nicht die Gelegenheit hatten, an einer Präsenzsitzung teilzunehmen. Bei Gruppenarbeiten und -präsentationen hat die jeweilige Gruppe, die das Sitzungsthema vorbereitet, einen sicheren Präsenzplatz. Dies schließt nicht aus, dass auch Gruppenmitglieder mit gesundheitlichen Risiken online teilnehmen können.
Da in manchen Räumen die Kapazitäten sehr klein sind (in Raum 5.326 sind 10 Plätze vorhanden), werden nur eine geringe Zahl an Studierenden in Präsenz teilnehmen können. Hierfür bitte ich um Verständnis.

2 Comments

  1. Für alle, die sich für die Projektbeispiele aus Bern interessieren:
    Wir haben auf unserer Homepage eine Auswahl von studentischen Arbeiten der letzten Semester. Das gibt einen ganz guten Überblick, woran wir hier so arbeiten:
    https://hkb-soundarts.ch/studierende

    Zum Semesterende findet bei uns immer ein kleines Festival statt, bei dem in Konzerten, Ausstellungen und Performances alle Semesterarbeiten der Studierenden aus BA und MA gezeigt werden. Da wir letztes Semester im Lockdown waren, haben wir die Präsentationen „à suivre #37“ online durchführen müssen. Auch diese Arbeiten sind alle online unter
    https://hkb-soundarts.ch/asuivreprojekte

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