Methoden einer erweiterten Musikwissenschaft

Seminar |Leuphana Universität Lüneburg | B.A. Kulturwissenschaften | Modul: Methoden der Kulturwissenschaften | wöchentlich | 12.04.2021 – 09.07.2021| Gruppe A: Montag | Gruppe B: Donnerstag | 14:15-15:45 | online

Abweichend von der in den Kulturwissenschaften vorgesehenen Reihenfolge der Module sollte diese Veranstaltung im Methodenmodul idealerweise bereits im 2. Studiensemester besucht werden.

Das Seminar bietet eine Einführung in die methodisch-theoretischen Grundlagen der historischen und systematischen Musikwissenschaft und ihre Nutzbarkeit im Hinblick auf aktuelle Phänomene auditiver Kultur. Ausgehend von der disziplinären Abgrenzung zwischen musik- und kulturwissenschaftlicher Perspektive werden die traditionellen Gegenstände und Methoden der Musikwissenschaft um kultur- und medienwissenschaftliche Ansätze erweitert.

Den Einführungstext der ersten Sitzung kennen Sie bereits aus der Ringvorlesung „Einführung in die Kulturwissenschaften“. Bitte frischen Sie zur Vorbereitung die Lektüre noch einmal auf…

Dozent (Gruppe A):
Rolf Großmann
grossmann@leuphana.de

Dozent (Gruppe B):
Malte Pelleter
pelleter@leuphana.de

Tutorin:
Magdalena Lanman Niese
magdalena.niese@stud.leuphana.de

Aufgrund der Aussetzung der Präsenzlehre wird das Seminar als Online-Veranstaltung durchgeführt. Die einführenden Sitzungen werden als Videokonferenz der gesamten Seminargruppe in das Thema einführen und erste Diskussionen anstoßen. Der Input für die einzelnen Methoden-Sitzungen wird durch die Studierenden gegeben, die jeweils in Kleingruppen einen Multimedia-Inhalt (z.B. Videos, Screen-/Podcasts, Audiopapers) zu den Sitzungen vorbereiten. Hierbei ist nicht die technische Umsetzung entscheidend, sondern die inhaltliche Darstellung der Methode im Seminarkontext. Eine anschließende Diskussion wird als Videokonferenz geführt werden. 

Prüfungsleistung

Folgende Details wurden in der Einführungssitzung erläutert:
Die Prüfungsleistung besteht aus zwei Teilen.
– 60 % Gruppenpräsentation in einer Sitzung (die Unterlagen dafür bitte nach der Präsentation per E-Mail einreichen)
– 40 % Mindestens 5 Beispielvorschläge mit Kurzbegründung zu den Themen der einzelnen Sitzungen. Die Beispielvorschläge sollen aus zwei Beispielen inklusive Links (Spotify oder YouTube, falls dort nicht vorhanden auch als Audiodatei) + Begründung für die Auswahl in Stichworten bestehen und nicht mehr als eine Seite umfassen. Einreichung als PDF per Mail jeweils spätestens Samstagabend vor der Montagssitzung.

Anmeldung und weitere Informationen auf mystudy.

Seminarplan

V1.5 15.06.21

12.04.2021 (A) / 15.04.2021 (B): Einführung

Organisatorisches; thematische Einführung
Audioforschung, kulturwissenschaftliche Musikwissenschaft, Medienwissenschaft?

Großmann, Rolf (2015): Soundcultures, Audio Cultures, Auditory Cultures. Der Diskurs um die auditive Kultur und die Musikwissenschaft.“ In: Schlüter, Bettina/Volmar, Axel (Hg.): „Von akustischen Medien zur auditiven Kultur.“ Navigationen 2/2015, S. 13–30.

19.04.2021 (A)/ 22.04.2021 (B): Eine Wissenschaft von der Musik

Traditionen der Musikwissenschaft
Disziplinarität, Forschungsgebiete und Methoden

Dahlhaus, Carl (1982): Musikwissenschaft und Systematische Musikwissenschaft.

Musikbeispiele:


John Cage performing „Water Walk“ in January, 1960 on the popular TV show I’ve Got A Secret
performed by Katelyn King, 2016


Themengruppe I: GEISTESWISSENSCHAFTLICH-PHILOLOGISCHE TRADITION DER MUSIKWISSENSCHAFT

26.04.2021 (A) / 29.04.2021 (B):
A: Naturwissenschaft und Musik im 19. Jh.
B: Wert und Bedeutung

Gruppe A:
Helmholtz: Naturwissenschaft und Sinneslehre
Helmholtz, Hermann von (1863): Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. (für alle daraus: Einleitung)

Komplette Ausgabe zum online lesen oder PDF Download in der online Bibliothek des Max Planck Instituts Für Wissenschaftsgeschichte, Berlin > http://vlp.mpiwg-berlin.mpg.de/references?id=lit3483

Beispiel: Musik mit Helmholtz’schen Flaschen
https://open.spotify.com/track/2bdBmVICEMmk9nHgEUNc7F?si=oWtvIuclTOec2mKw4Cs3lQ

Gruppe B:
Musikästhetik
Hanslick, Eduard ([1854] 1991): Vom Musikalisch-Schönen: ein Beitrag zur Revision der Ästhetik der Tonkunst. S. 31-52

Für alle, die mit der altdeutschen Schriftart Schwierigkeiten haben, hier der Ausschnitt In der heute gewöhnlichen Druckschrift, die Seitenzahlen des Originals sind in spitzen Klammern angegeben.

03.05.2021 (A) / 06.05.2021 (B):
A: Wert und Bedeutung
B: Naturwissenschaft und Musik im 19. Jh.

Gruppe A:
Musikästhetik
Hanslick, Eduard ([1854] 1991): Vom Musikalisch-Schönen: ein Beitrag zur Revision der Ästhetik der Tonkunst. S. 31-52

Für alle, die mit der altdeutschen Schriftart Schwierigkeiten haben, hier der Ausschnitt In der heute gewöhnlichen Druckschrift, die Seitenzahlen des Originals sind in spitzen Klammern angegeben.

Beispiele der Teilnehmer*innen:

Wagner – Die Meistersinger von Nürnberg (Ausschnitt)
https://www.youtube.com/watch?v=m4qs8bFZORw
Wagner und Hanslick waren eng verbunden. Hanslick bewunderte ihn zuerst, war aber
später enttäuscht. Wagner wollte ihn in seiner Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ parodieren, und nannte die Figur in Skizzen zuerst „Hans Lick“ bevor die Figur als Beckmesser in der Oper endete. Die Figur Beckmesser wird als kleinlicher, pedantischer Kritiker bezeichnet.

VET – Marin Kohlstedt
https://open.spotify.com/track/2tiEb31DlFLkATdUFbz1K1?si=5d9519fa94cb44ce
Töne, deren „Reichthum nicht verschwenderisch genug gedacht werden kann“, sind hier vielfach
vorhanden. Die Melodie ist stetiger Verwandlung unterworfen (,,Verwandeln, Umkehren, Verstärken“).

Gruppe B:
Helmholtz: Naturwissenschaft und Sinneslehre
Helmholtz, Hermann von (1863): Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. (für alle daraus: Einleitung)

Komplette Ausgabe zum online lesen oder PDF Download in der online Bibliothek des Max Planck Instituts Für Wissenschaftsgeschichte, Berlin > http://vlp.mpiwg-berlin.mpg.de/references?id=lit3483

10.05.2021 (A) / 13.05.2021 (Christi Himmelfahrt) (B): Tonempfindsame Spekulationen

Hugo Riemanns Harmonielehre

Riemann, Hugo ((1917) 1929): Handbuch der Harmonielehre. S. VII-XI, S. 1-6 & S. 21-32

Themengruppe II: MUSIK UND MEDIEN

17.05.2021 (A) Popanalyse I+II/ 20.05.2021 (B):  Pop-Analyse – Musik und Medien I

Popanalyse I (gestisch): Audio Culture, Medienkultur und die neue Materialität der Klänge in der Popmusik

Middleton, Richard (1993): Popular music analysis and musicology: bridging the gap. In: Popular Music, Volume 12/2. Cambridge University Press, 177-190.

Beispiele der Seminarteilnehmer:innen:

Nach dem Durchlesen des Textes und der Beschreibung habe ich einen viel energetischen
Rhythmus erwartet, so wie in den neueren Madonna Songs. Der Song klang für meine
Hörerfahrungen doch vergleichsweise nüchtern.
https://open.spotify.com/track/55whbebR4olz2HHcRQa2kx?si=f8cdc80ddd834963

Ich finde diese AABC Konstruktion auch im Song Wonderwall wieder. Dieser hat auch zwei
wiederholten A Parts und dann leichte Abwandlungen.
A
Today is gonna be the day
That they’re gonna throw it back to you
A
By now you should’ve somehow
Realized what you gotta do
B
I don’t believe that anybody
Feels the way I do
C
about you now
https://open.spotify.com/track/1qPbGZqppFwLwcBC1JQ6Vr?si=c68d343da5f748b7


„Toxic“ by Britney Spears aus 2003
https://open.spotify.com/track/6I9VzXrHxO9rA9A5euc8Ak?si=aa481ea713394b2f

  • einer der berühmtesten Popsongs/Dancepop-Songs und größten Hits von Britney Spears
  • Wird auch heute noch auf zahlreichen Partys regelmäßig gespielt > Dance-Hit, der einen
    automatisch zum Tanzen bringt, wie Middleton es auch in seinem Text beschreibt
  • Kombiniert Elemente aus Bollywood Musik (die Violinenähnlichen Elemente, die zum Beispiel
    am Anfang den Song einspielen) und aus dem Themensong zu James Bond (das Gitarrensolo,
    das zwischendurch erklingt)
  • Passende Popmusikalische Analyse des Songs findet man hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=cj6CDicY3NM

„lovely“ by Billie Eilish und Khalid aus 2018
https://open.spotify.com/track/0u2P5u6lvoDfwTYjAADbn4?si=7c5bf3e4e1fb4ce4

  • Einer der Songs, die Billie Eilish weltberühmt gemacht haben
  • Ein gutes Exempel für Eilishs charakteristischen Gesang, den man als eher „breathy“
    bezeichnen kann
  • >>> dementsprechend ist dieser Song ein gutes Beispiel für den derzeitigen Zeitgeist und eine
    Analyse im Sinne Middletons Wert, der betonte, wie wichtig eine popanalytische Untersuchung
    der Bedeutung und nicht nur Form von Liedern ist, aufgrund von „historical and cultural
    reasons“

Popanalyse II (postkolonial): TRX Studies als medienmusikalische Analyse

Ismaiel-Wendt, Johannes (2011): tracks ’n‘ treks. Populäre Musik und Postkoloniale Analyse (Ausschnitte: »TRX Studies«)

Audiobeitrag:

TRX-Analyse erläutert von Anna Dingler und Lisa Bolten (inklusive Stimmen aus dem Seminar)

(24.05.2021 (A)Feiertag Pfingstmontag)) / 27.05.2021 (B): Popanalyse – Musik und Medien II

Popanalyse II (postkolonial): TRX Studies als medienmusikalische Analyse

Ismaiel-Wendt, Johannes (2011): tracks ’n‘ treks. Populäre Musik und Postkoloniale Analyse (Ausschnitte: »TRX Studies«)

Themengruppe III: NATURWISSENSCHAFTLICH-EMPIRISCHE METHODEN DER MUSIKWISSENSCHAFT

31.05.2021 (A) / 03.06.2021 (B): Helmholtz’s Erben

Musikalische Akustik

Hall, Donald E. (1997): Musikalische Akustik: ein Handbuch. 7. Kapitel: »Grundlegende Bestandteile der Musik«. S. 129-142.

Beispiele der Teilnehmer*innen:

Hummelflug – Nikolai Rimsky-Korsakov
https://open.spotify.com/track/3uRMrqHtquw1V7FntCtHSS?si=7c4e6f10
74604f94

Das Stück ist mit einem Tempo von 180 bpm komponiert. Nach Hall haben
„schnelle Passagen […] den Charakter von Füllwerk und/oder Verzierung mit
starker Redundanz“ (S.131)
Allerdings ist hier das ganze Stück schnell und nicht in Verbindung mit Halls
ästhetischen Standardeinheit von einer Sekunde in Verbindung zu bringen und
enthält deshalb „für den durchschnittlichen Hörer solche Musik einfach zuviel
Informationen […], um sie gleichzeitig verarbeiten zu können.“

Maurice Ravel – Gaspard de la nuit
https://www.youtube.com/watch?v=TQSyRXRuk6Y&t=85s
Hall stellt sich die Frage ob Musikerinnen von Tasteninstrumenten, eine „kürzere ‚natürliche‘ Zeiteinheit haben“, die er dann mit Nein beantwortet, da die Musikerinnen diese Bewegungen zwar im einzelnen einüben, aber dann als
quasi zusammengefasste Bewegungsabläufe verinnerlichen und spielen.
Bei diesem Lied werden Passagen teilweise so schnell gespielt, dass sie nach
dem Einüben als quasi automatisierte Bewegungsabläufe gespielt werden.

07.06.2021 (A) / 10.06.2021 (B): Eine kleine Nachtmusik der musikalischen wetware

Musikpsychologie und -wirkungsforschung

Jansen-Osmann, Petra (2006): »Der Mozart-Effekt – Eine wissenschaftliche Legende?« In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie 17(1), S. 1-10.

Beispiele der Teilnehmer*innen:

https://www.youtube.com/watch?v=Qm-WcRi51vM
Bei klassischer Musik im Restaurant sind wir bereit mehr Geld für Essen zu zahlen.
Die Musik beeinflusst auch die Kaugeschwindigkeit und somit Verweildauer.
Schnelle / unruhige Musik fördert Absatz bei Sportschuhen.
Melodische, Ruhige Musik fördern die assoziierte Sicherheit eines KFZs.
In Läden die kein spezielles Publikum anziehen ist es schwieriger Menschen durch Musik zu
manipulieren, da die Hörgewohnheiten zu unterschiedlich sind. In einem Jeansgeschäft für
jüngere Leute hingegen kann ein DJ verkaufsfördernd sein.

https://www.youtube.com/watch?v=HwKx4pmzR1A
Menschen die sich bei trauriger Musik gerührt fühlen und nicht nur schlecht haben tendenziell
mehr Empathie.
An Musikgeschmack lässt sich ableiten ob ein Mensch eher Ex- oder Introvertiert ist.
70 db soll die beste Lautstärke zum kreativen Arbeiten sein.

https://www.youtube.com/watch?v=P00HMxdsVZI
Mit ihrem Song „Truth Hurts“ hat Lizzo eine empowernde Hymne geschrieben. Das durchgehend gespielte Pianomotiv zusammen mit dem melodischen Sprechgesang und Zeilen wir „I just took a DANN Test turns out I’m a 100% that bitch“ geben dem Song etwas kraftvolles und stärkendes, was sich auf die Zuhörer*innen überträgt.

Ein Beispiel für das Hervorrufen von positiver Stimmung bei mir wäre …
Radar Detector von Darwin Deez
https://open.spotify.com/track/0j1xdKVaqfLFpLPpZqyZLI?si=a5982953e4ba43f6

Soldaten von Maxim
https://open.spotify.com/track/36O5ExFOZxSrWRV3e0XyB1?si=al136f03ff2a440b
Diesen Song würde ich allerdings nicht vor einer Klausur hören, da er eher negative Gefühle in
mir wecken würde.

https://open.spotify.com/track/6u3UVuVTsLY3K1phDc3RH6?si=ededf3b4df2d4c3d
„Eine kleine Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart
Es ist zwar nicht die berühmte Sonate von Mozart, von der vorrangig im Text
geschrieben wird > aber es ist ein sehr bekanntes Stück von ihm, von dem zu erwarten
ist, dass er einen angeblich ähnlichen Effekt habe, dem dem Mozart-Effekt nachgesagt
wird
Vor allem in Hinsicht darauf, dass dieses Stück ein Teil der der sogenannten von
Spotify selber erstellten „ Mozart Study“ Playlist ist.

14.06.2021 (A) / 17.06.2021 (B): 

Gruppe A: Lektüre, keine Zoom Sitzung am 14.6.2021
bitte die Diskussion quantitative Methoden versus Musiksoziologie á la Adorno vorbereiten

Quantitative Methoden und empirische Rezeptionsforschung

Lepa, Steffen; Hoklas, Anne-Kathrin; Guljamow, Martin; Weinzierl, Stefan (2013): »Wie hören die Deutschen heute Musik?« In: Media Perspektiven 11/2013, S. 545-553. 

Themengruppe IV: INTERDISZIPLINÄRE DISKURSE UM MUSIK UND (IHRE) MEDIEN 

21.06.2021 (A) / 24.06.2021 (B): Die gesellschaftliche Existenz der Musik

T.W. Adorno und die Musiksoziologie

Adorno, Theodor W. (1981): Einleitung in die Musiksoziologie. Kapitel I: »Typen musikalischen Verhaltens«. S. 14-34.

Podcast mit Nicola Escobedo Söntgerath und Henry Lührs aus dem Online Seminar im Sommersemester 2020: Interview mit Theo

28.06.2021 (A) / 01.07.2021 (B): Gespielte Medien

(Eine neue) Instrumentenkunde

Großmann, Rolf (2010): »Distanzierte Verhältnisse? Zur Musikinstrumentalisierung der Reproduktionsmedien«. In: Harenberg, Michael & Daniel Weissberg (2010): Klang (ohne) Körper. Spuren und Potenziale des Körpers in der elektronischen Musik. S. 183-200.

Vertiefende Texte:

Hornbostel, Erich Moritz von & Curt Sachs (1914): Systematik der Musikinstrumente. Ein Versuch. In: Zeitschrift für Ethnologie 46, Nr. 4-5. S. 553-590.

Kartomi, Margaret J. (1990): On Concepts and Classifications of Musical Instruments. Chicago, London: The University of Chicago Press. S. 16-24.

08.07.2021 (A+B): Sound Studies

Methoden und Prämissen der Sound Studies

Sterne, Jonathan (Hg.): Sound Studies Reader. London and New York: Routledge 2012. daraus: Sonic Imaginations, Kapitel I.